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Sarah Biasini im Interview

 

... mit der Tageszeitung "Oberösterreichische Nachrichten" vom 23.09.2006

 

"Ich war von mehr als 200 Prozent Liebe umgeben"

 

Sie war noch nicht fünf Jahre alt, als sie ihre Mutter Romy Schneider verlor. Seit drei Jahren tritt Sarah Biasini in ihre Fußstapfen.

Nach "Julie - Agentin des Königs" dreht die 29-jährige Biasini nun ihren zweiten Fernsehfilm. Für die französisch-österreichische Koproduktion "Wir sind so verhasst" (Alechemic Productions/Adi Mayer Film) stand sie ein paar Tage in Wien vor der Kamera. Die OÖN trafen sie in einer Mittagspause.

OÖN: Klar, dass Sie immer viel über Ihre Mutter gefragt werden. Aber reden wir einmal von Ihrem Vater Daniel Biasini, bei dem Sie aufgewachsen sind...

Biasini: Er war immer ein wunderbarer Vater. Wenn jemand Alleinerzieher ist, versucht er, Liebe für zwei zu geben. Auch seine Eltern, sein Bruder, der Bruder meiner Mutter und seine Tochter haben sich um mich gekümmert. Ich war von mehr als 200 Prozent Liebe umgeben und sehr glücklich.

OÖN: Welches Verhältnis haben Sie heute zum Vater?

Biasini: Ein sehr enges. Er ist es, den ich anrufe, wenn ich mich unsicher oder down fühle, und er versteht es jedes Mal, mich aufzumuntern. Einen solchen Vater möchte ich jedem Menschen wünschen.

OÖN: Wann haben Sie Ihr Zuhause verlassen und wie haben Sie dem Vater beigebracht, dass Sie Schauspielerin werden wollen?

Biasini: Ich war 22, als ich eine eigene Wohnung bezog. Ja, und der Berufswunsch: Ich hatte ja Kunstgeschichte studiert, als mir klar wurde, dass ich etwas ganz Anderes wollte. Ich traute mich zunächst nicht, es ihm zu sagen, habe es lieber mit seiner Mutter besprochen, die mich natürlich gewarnt hat. Eines Tages musste ich es los werden, sagte es ihm aber so, als sei dieser Wunsch schon wieder verworfen: "Weißt du... ich hätte gern... aber... besser, ich studiere weiter..." Da schaute er mich an und meinte: "Nein, nein. Selbst, wenn du am Land Kühe und Schafe hüten möchtest und du hast Spaß damit dann mach' es. Und wenn du unbedingt Schauspielerin werden möchtest, dann versuche es." Ich war natürlich total glücklich, weil ich wusste: Ich stehe bereits an der Wand, es muss einfach sein!

OÖN: Wann fiel die endgültige Entscheidung?

Biasini: Vor fünf Jahren. Aber ich hatte Angst, in Frankreich eine Schauspielschule zu besuchen, also inskribierte ich für ein Jahr am Strasberg Institute in Los Angeles. Danach fand ich bald einen Agenten, und es ging recht schnell. Ich wurde für "Julie, Agentin des Königs" engagiert, da musste ich nicht nur spielen, sondern auch singen, tanzen, reiten und fechten. Das gefiel mir.

OÖN: Ihre Mutter hatte Freunde wie etwa Alain Delon oder Michel Piccoli. Haben Sie sich bei einem von ihnen Tipps geholt?

Biasini: Bei den Genannten nicht, aber bei Regisseur Claude Sautet, der mit ihr fünf ihrer besten Filme (wie "Die Dinge des Lebens", "César und Rosalie", "Das Mädchen und der Kommissar") gedreht hat. Ich studierte noch, als ich ihn traf er ist ja im Jahr 2000 gestorben. Da wagte ich noch nicht, von dem Wunsch zu erzählen, der bereits in mir schlummerte. Wir redeten über ihre gemeinsamen Filme, haben eineinhalb Stunden lang gelacht und geweint.

OÖN: Welche Filme Ihrer Mutter lieben Sie besonders?

Biasini: Wie gesagt, jene von Claude Sautet. Und auch "What's new, Pussycat?"

OÖN: Und "Sissi"?

Biasini: Das war zweifellos ein wichtiger Schritt für sie, passte zu ihrem Alter, und sie hat in diese Rolle nicht nur ihr Engelsgesicht, sondern auch viel von sich selbst eingebracht.

OÖN: Erinnern Sie sich noch an Momente mit Ihrer Mutter?

Biasini: Ja. An das Frühstück im Bett, an Kitzeln und Versteckenspielen, an spaßige Boxkämpfe. Die machte ich mit meinem Vater auch.

OÖN: Sie haben auch schon Theater gespielt?

Biasini: Ja, "Barfuß im Park" in Paris. Ich möchte bei diesem Wechsel Film/Theater bleiben und suche momentan für 2007 ein Stück.

OÖN: Haben Sie auch die Fußball-WM verfolgt?

Biasini: Und ob! Und in der Endphase glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Ich war richtiggehend geschockt von dem, was sich da um und mit Zinedine Zidane abspielte.

OÖN: Wie hat Ihnen Wien gefallen?

Biasini: Ausnehmend gut. Ich habe mich in meiner Freizeit immer auf Entdeckungsreise durch die Stadt gemacht, fand die Opernfilm-Aufführungen am Rathausplatz toll, habe im Sacher Tee getrunken und die Atmosphäre im Café Sperl genossen, wo man sich noch wie im 19. Jahrhundert fühlen kann. Ich bin sehr traurig, wenn ich weg muss. Aber ich kann ja als Touristin wiederkommen.

OÖN: Sind Sie abergläubisch?

Biasini: Ich kenne all die Ängste von Abergläubischen und versuche immer, das Gegenteil zu machen. Aber vielleicht gibt es so was wie "Zeichen". Ich habe das schon einmal erlebt. Ich war mit einem Freund in Portugal, besichtigte auch das wunderschöne Sintra in der Nähe von Lissabon. Ein Jahr später wurde ich für "Julie" engagiert, ich schaute auf den Drehplan und fand dort genau jene Schauplätze in Portugal, die ich damals besichtigt hatte.

OÖN: Wie gefällt Ihnen Ihre Rolle als Marie in "Wir sind so verhasst"?

Biasini: Fantastisch, sonst hätte ich sie ja nicht angenommen. Es ist eine deutsch-französische Liebesgeschichte, die 1944 beginnt. Zu Kriegsende wird der Mann, ein Deutscher, in einem Camp interniert, der Frau rasiert man wegen ihrer Liaison mit ihm das Haar ab und schlägt sie. Sie hat aber die Kraft, in Paris ein neues Leben zu beginnen - mit einem Kind, das sie von ihrem Geliebten hat. Fünf Jahre später kommt es zum Wiedersehen...

OÖN: Mit Happy-End?

Biasini: Mit Happy-Happy-End.

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"Oberösterreichische Nachrichten", 23.9.2006

Mit Dank an die "OÖN" für die freundliche Genehmigung! (erteilt am 20.08.2007)